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Es war ein Vormittag der Gänsehaut-Momente für Wilfried Schönherr, als er nun als Schulleiter der Realschule An der Fleuth in den Ruhestand verabschiedet wurde. Bevor die offizielle Feier mit geladenen Gästen begann, hatte die Schulgemeinde ein buntes, lautes und persönliches Überraschungsprogramm für ihn vorbereitet. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula war Wilfried Schönherr im nostalgischen Feuerwehr-Fahrzeug des Gelderner Löschzuges abgeholt und mit Polizei-Eskorte und Blaulicht zum Schulhof gefahren worden. Hier wartete der geschmückte Vorstandswagen des VVK, auf dem der Ehrengast gemeinsam mit seiner Familie für die Fahrt über den Schulhof seinen Logenplatz einnahm. Die Mädchen der 5b zeigten zwei Tänze am ersten Zwischenstopp, darauf folgte der Tanz der 8b zu „Hit the Road, Jack“ und vor dem Haupteingang, am Ende des roten Teppichs, blieb der „Coach Wilfried-Wagen“ in Parkposition stehen. Denn hier stieg nun die große Party mit Tanz und Musik. Die Lehrerinnen Jessica Staschok und Angeliki Tsilivirdi feuerten die Schülerinnen und Schüler zum Mittanzen und Mitsingen an. Und natürlich übernahm auch der Chef immer wieder das Mikrofon. Stadionaktionen wie „Humba!“ und Rudern, der Flashmob-Tanz zu „Cotton Eye Joe“, aber auch das inbrünstig dargebotene Lied „Griechischer Wein“, der Sirtaki oder die „Karnevalsmaus“ mit bald 100 Mittänzerinnen und Mittänzern heizten der Schulgemeinde bei strahlendem Wetter ordentlich ein. Für den bekennenden Fußball-Fan und Karnevalisten war dies ein besonders persönlicher Abschied von seiner Schülerschaft.

Der offizielle Teil folgte nach einer kurzen Verschnaufpause im Forum der Schule und auch hier reihten sich die bewegenden Momente und Überraschungen aneinander, um das Wirken des Pädagogen und Schulleiters zu würdigen. Musik gab es von Lehrerin Kirstin Schäfer zunächst mit der Musik-AG. Darauf folgte der Auftritt der Jahrgänge 5 bis 8. Rund 300 Kinder trugen das Lied „Stammbaum“ der Bläck Fööss vor, zum dem Wilfried Schönherr bereits vor zwei Jahren einen eigenen Text über seine Realschule An der Fleuth geschrieben hatte. Und mit ihrer Version von „Ein Stern“ bezauberten anschließend einige Kinder der Klassen 5b und 5c das Publikum. Schließlich überreichten die Schüler- und Klassensprecher ihre Geschenke an Wilfried Schönherr, an denen jedes Kind der Schule mitgearbeitet und so ein Marmeladeglas mit schönen Momenten und ein Erinnerungsbuch mit persönlichen Botschaften gefüllt hat, als „Beweis, dass Schule mit Ihnen immer Spaß gemacht hat“.

Den Auftakt der Reden übernahm Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser, der feststellte: „Feiern können wir hier mit euch!“ Und er würdigte die Arbeit Schönherrs als die eines „hoffnungslosen Optimisten“, dessen Engagement, Ausdauer und Anstrengung sich ausgezahlt hätten, um das Bestmögliche für seine Schule und Schülerschaft herauszuholen. Daher könne er nun eine Schule übergeben, die weit über Geldern hinaus, bei Handel, Handwerk und Wirtschaft, große Anerkennung genießt.

Die nächsten Worte richtete Peter Frödrich, Hauptdezernent für die Realschulen bei der Bezirksregierung Düsseldorf, an den baldigen Pensionär. Er blickte auf die beruflichen Stationen von Wilfried Schönherr und betonte dabei: „Sie haben immer schon Ihre Dienstpflichten über das Erwartbare hinaus erfüllt.“ Dazu zählte er vor allem auch das „irrsinnig große Engagement für den Erhalt dieser Schule“, der zwischenzeitlich extrem auf der Kippe stand.

Als Vertreterin der Schulpflegschaft fand Ulla Gastens wertschätzende Worte, die zeigten, dass Wilfried Schönherr mehr als nur Lehrer für Mathe, Sport, SoWi, Erdkunde und Politik war. Er habe den Zehntklässlern gezeigt, wie das Leben funktioniert, und nach seinem Herzinfarkt 2019 selbst erfahren, dass das Leben wichtiger ist als der Terminkalender. Für die Zeit im Ruhestand nun, nach dem Umzug nach Moers und als „Opa in Vollzeit“ wünschte sie ihm alles Gute.

Auch Mike Lichteveld vom Förderverein nutzte diesen „Tag des Dankes, der Anerkennung und des Abschieds“, um noch einmal die unkomplizierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu würdigen, aus der viele schöne Projekte hervorgegangen seien. Denn eine gute Schule, das seien vor allem die Menschen, die darin arbeiten. Diese Schule habe Wilfried Schönherr geprägt mit Herz, Haltung, Geduld und einer gehörigen Portion Nerven. Gleichzeitig darf sich der Förderverein darüber freuen, dass Schönherr ab 2027 hier die Aufgabe des Kassenprüfers übernimmt.

Bevor Sabine Stüve als langjährige Kollegin und Deutschlehrerin an der Realschule ihre phänomenalen Überlegungen zum dem (beruflichen) Leben eines Mannes mit dem Namen Schönherr teilte, besangen die Lehrerinnen und Lehrer die „Superjeile Zick“ mit ihrem Chef – a capella und angeleitet von der stimmgewaltigen Angeliki Tsilivirdi. Sabine Stüve schließlich ließ keine Station im bewegten Leben des Schlossherren aus, der es schaffte, aus einer „Realschule-Utopie“ einen „prächtigen Palast“ am Rande der Stadt werden zu lassen, als „neues Versailles des Lehrens und Lernens“.

Als Meilenstein bezeichnete auch Torben Sowinski, stellvertretender Schulleiter, den Umzug ins neue Gebäude am Rodenbusch, der nur durch unermüdlichen Einsatz möglich geworden sei. Doch jetzt beginne ein neuer Lebensabschnitt und Wilfried Schönherr hinterlasse eine starke Schule als großes Vermächtnis.

Die letzte Rede des Tages gehörte dem Geehrten selbst. Und er nutzte diese Gelegenheit, um „umgekehrt Danke zu sagen“. Denn der Herzinfarkt 2019 als Zäsur im vertrauten Alltag hatte ihn bereits damals zu den ersten Teilen dieser Rede inspiriert und über einen möglichen Abschied von der Schule nachdenken lassen. „Was wäre wenn…“, ließ er sich immer wieder durch den Kopf gehen und blickte so gemeinsam mit seinen Gästen auf Stationen wie den ersten Job in der Berufsbildungsstätte 1992, den Wechsel an die Hauptschule in Xanten und eine erste gescheiterte Bewerbung an der Realschule An der Fleuth 2001, die Trennung von seiner ersten Frau und das neue Glück mit Ursula und den vier Töchtern und ihren Familien. Musikalisch sagte er ihr: „Du bist die Nummer 1 für mich!“ Er blickte auch auf seine Aufgabe als Konrektor und den Wechsel – im zweiten Anlauf – nach Geldern. Er ließ auch selbstkritische Worte hören, da man ihm vorwerfe, nicht genug zu loben. Er revidierte dies mit Humor, indem er auf den Zeitungsartikel aus dem Jahr 2013 verwies, als er gerade nach Geldern gekommen war: „Neuer Schulleiter lobt sein Lehrerteam“, und gestand, dass ihm als Polizistensohn eine besondere Dienstauffassung mitgegeben worden sei. Besonders hob Wilfried Schönherr auch die Arbeit drei weiterer Frauen hervor und dankte der ehemaligen Schulsekretärin Frau Röll, der aktuellen Schulsekretärin Nadine Bach und der Schulsozialarbeiterin Sybille Waerder. Sie alle zusammen und auch seine beiden ehemaligen Stellvertreter, Hans-Peter Culp und Volker Streck, und aktuell Torben Sowinski, der „alte“ Hausmeister Bernd Croonenbroeck und der „neue“, Dirk Peters, bildeten ein Team, das ihm am meisten fehlen werde. Schließlich hob er auch die große Vielfalt im Kollegium hervor, das ihn nie enttäuscht, aber immer gezeigt habe, dass es Wert sei, sich hier einzusetzen: „Ihr seid einfach toll, ich werde keinen einzelnen vergessen!“

Das Dankeschön vergaß er auch nicht für die Vertreter der Bezirksregierung und des Schulträgers, die zuständigen Beamten bei Polizei und Feuerwehr, die Vertreter der Kirchen und den Architekten des neuen Schulgebäudes.

Bereits eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Ende seiner Dienstzeit hat Wilfried Schönherr den Eintritt in den Ruhestand vorgezogen und diese Entscheidung bewusst gemeinsam mit seiner Frau getroffen. Für seinen bisherigen Stellvertreter, Torben Sowinksi, gab es an diesem Vormittag auch eine Überraschung: Auf ausdrücklichen persönlichen Wunsch konnte Wilfried Schönherr ihm nun die Ernennungsurkunde als seinem Nachfolger überreichen. Die Schule trage bereits jetzt seine Handschrift und seine zugewandte Art und sein gutes Feeling für Menschen werden ihm helfen, „ein gutes Schulklima zu erhalten“. Und so erhielt der neue Schulleiter aus den Händen des alten Schulleiters einen echten Staffelstab: „Der ist schon in die Jahre gekommen und hat manche Macke, so wie ich. Der soll dir Glück bringen!“ Und zum Schluss konnte Wilfried Schönherr nicht nur danken sondern auch versichern: „Ich freue mich auf meinen Umzug nach Moers in meine alte Heimat und auf ganz viele Aktivitäten. Und darum habe ich keine Angst, in ein tiefes Loch zu fallen.“

Mit anhaltendem Applaus und stehen Ovationen verabschiedeten die Gäste Wilfried Schönherr am Ende eines emotionalen und persönlichen Vormittags von der Bühne und in den Ruhestand.